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Dem Kohlhernie-Erreger das Leben schwer machen

Von Kohlhernie befallen Die Kohlhernie ist in vielen Regionen auf dem Vormarsch und gefährdet zunehmend die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaues. Sind die Pflanzen erst einmal infiziert, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Krankheit zu bekämpfen (ACKERplus berichtet in seiner kommenden August-Ausgabe 8.2011 über das Thema).

Die einzelligen Zoosporen des Erregers besitzen zwei Geißeln, mit deren Hilfe sie im Bodenwasser aktiv zu den Wurzeln schwimmen und dort in die Wurzelhaare eindringen. Deshalb ist es besonders wichtig, der Kohlhernie in den obersten Zentimetern des Bodens entgegenzuwirken. Es ist dies der Bereich, in dem die Wurzeln der Rapskeimlinge vor allem in den kritischen ersten Wochen nach der Saat befallen werden.


 




Bekämpfungsmöglichkeiten
Der Kalkung kommt bei der Kohlhernie-Vorbeugung gleich aus mehreren Gründen eine Schlüsselrolle zu: Erstens fördert sie die Flockung der Tonminerale und sorgt so für eine optimale Bodenstruktur. Zweitens tritt der Erreger der Kohlhernie in neutral bis leicht alkalischen Böden deutlich seltener auf. Und drittens hat man festgestellt, dass in Verbindung mit einem pH-Wert größer oder gleich 7,2 und einer damit einhergehenden hohen Konzentration freier Calcium-Ionen in der Bodenlösung die Beweglichkeit der Zoosporen stark einschränkt wird. Der pH-Wert des Bodens sollte in Rapsfruchtfolgen möglichst im neutralen Bereich liegen, die Flächen sind bei Bedarf entsprechend aufzukalken. Eine Kalkung kurz vor der Rapsaussaat in Form von Branntkalk ist dabei besonders wirksam, denn diese Kalkform bewirkt einen raschen pH-Anstieg und eine starke Erhöhung der Calcium-Ionen-Konzentration in der Bodenlösung.

Wirksamkeit von Kalkstickstoff
Eine Sonderrolle bei der Kohlhernie-Vorbeugung kommt dem Kalkstickstoff zu. Wie der Branntkalk gibt auch er in kurzer Zeit große Mengen an Calcium-Ionen in die Bodenlösung ab. Zusätzlich hemmt seine Cyanamidphase für eine gewisse Zeit die Keimung der Kohlhernie-Dauersporen. Am wichtigsten ist dabei die Unterdrückung von Infektionen in der Keimzone, denn frühe Infektionen an der Hauptwurzel führen in der Folge meist zum Absterben der Rapspflanze. Deshalb sollte der Kalkstickstoff auch nicht eingearbeitet, sondern erst unmittelbar vor der Saat gestreut werden, um eine ausreichend hohe Konzentration des Düngers in den obersten Zentimetern des Bodens zu erreichen. Bei einer Aufwandmenge von 250 Kilogramm Kalkstickstoff je Hektar kommt es weder zu Keimschäden noch zu einem Überwachsen des Bestandes vor dem Winter, denn die darin enthaltenen 50 Kilogramm Reinstickstoff liegen in einer langsam und gleichmäßig wirkenden Form vor.

Fazit
Da man den Erreger aus dem Boden nicht wieder verbannen kann, muss man auf den betroffenen Feldern auf Dauer mit der Kohlhernie leben. In diesem Fall muss alles dafür getan werden, dass sich die Verseuchung des Bodens nicht weiter aufschaukelt, sondern dass das Infektionspotenzial möglichst gering gehalten wird. Dies kann nur mit einer umfassenden Strategie gelingen, bei der ein ganzes Bündel von Maßnahmen zum Einsatz kommt.

Autor: Dr. Hans-Jürgen Klasse, AlzChem Trostberg GmbH


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