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Striegel trifft Demeter - Ökolandbau als Anbausystem

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Mechanische Bodenpflege. In der Gunstlage der Lommatzscher Pflege, der Kornkammer Sachsens, gedeihen nicht nur Kulturpflanzen prächtig, sondern auch Unkräuter und Ungräser. Herbizide sind im Ökolandbau tabu. Auf dem Demeter-Hof Mahlitzsch kommen andere Mittel zum Einsatz.


Vor den Toren Dresdens liegt die „Lommatzscher Pflege“, zu der auch der Ort Heynitz im Kreis Meißen zählt. Die Gegend gilt einerseits als eines der fruchtbarsten Ackerbaugebiete Deutschlands. Andererseits machen der sehr feine Lössboden, die relativ hohen Niederschläge, der stetig wehende Wind und der Unkrautdruck den Ackerbau nicht gerade einfach. Der Boden ist nach Niederschlägen lange nicht bearbeitbar und neigt durch den Wind zu einem schnellen Abtrocknen und Verhärten der Oberfläche. Im Frühjahr ist er aufgrund seiner feinen Bodenstruktur erst relativ spät befahrbar.


Pflügen und Striegeln
Diese natürlichen Standortbedingungen waren für Philipp Steul Anlass, ein ganz eigenes Bearbeitungskonzept für die Ackerflächen von Hof Mahlitzsch zu entwickeln. Er ist der für den Ackerbau zuständige Gesellschafter der Demeter-Betriebsgemeinschaft Hof Mahlitzsch GbR Heynitz BSS (die Abkürzung BSS steht für die drei Betriebsleiter-Familien Burgeff, Schwab und Steul). „Ohne Winterfurche geht es nicht“, weiß Steul aus eigener Erfahrung, „der Unkrautdruck ist auf diesem Boden zu groß und nur durch das Pflügen bekommen wir das Problem im Herbst in den Griff.“ Außerdem wird so den Bodenverdichtungen entgegengewirkt.
Nach der Saat im Herbst wird der„Treffler-Striegel“ als Blindstriegel einmal vor dem Auflaufen der Saat eingesetzt. Voraussetzung für die Anwendung dieser neuartigen Maschine ist aber gutes, trockenes Wetter. Ein zweites Mal wird im Frühjahr gestriegelt, und zwar, in Abhängigkeit von der Befahrbarkeit des Bodens, so früh wie möglich. Ein dritter Durchgang ist dann möglich, wenn der Boden für den Striegel nicht schonzu hart ist. Alternativ kann eine leichte Egge genommen werden, auf ein Hackgerät wird zum Schutz der Bodengare verzichtet.

Arbeitsweise des Treffler-Striegels
Der Striegel arbeitet beim Blindstrich auf ein bis zwei Zentimeter Tiefe, bei den späteren Einsätzen bis auf drei Zentimeter Tiefe. Ziel ist es, den Boden aufzulockern und das Unkraut möglichst an der Oberfläche abzulegen. Bei der intensiven Oberflächenbearbeitung muss die Aussaatmenge wegen des „Ausstriegelns“ um 10 bis 15 % erhöht werden. Steul lobt den neuen Treffler-Striegel, der vor zwei Jahren angeschafft worden war, wegen seiner Handhabung und Arbeitspräzision als „Quantensprung“ für die Bodenbearbeitung auf Hof Mahlitzsch.

Im Vergleich zum vorherigen handelsüblichen Striegel sei er bedeutend einfacher und individueller einzustellen, lobt er die sechs Meter breite Maschine. Der Zinkendruck ist bequem vom Schlepper aus stufenlos hydraulisch verstellbar und lässt sich schnell an unterschiedliche Bodenverhältnisse anpassen. Er kann von 200 g bis zu 5 kg variiert werden. Jeder Zinken ist einzeln über eine Zugfeder und ein Drahtseil mit der Zentralwelle verbunden, über die die gesamte Arbeitsbreite verstellt werden kann. Die Zinken können nur rund 1 cm seitlich ausweichen, dadurch gibt es keine unbearbeiteten Streifen. Die gewünschte Zinkenspannung bleibt dann, von ganz flach bis ganz steil, immer unverändert.
Der Vorteil: Egal wie der Boden beschaffen ist, egal wie wellig der Acker ist, die Werkzeuge stehen immer im gleichen Winkel zum Boden. Die Striegel sind 500mm lang und gewährleisten so auch bei Kartoffeldämmen eine gute Arbeit. Das geringe Gewicht der Maschine von unter 100kg/m Arbeitsbreite erlaubt den Einsatz kleiner, leichter Schlepper. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt bei bis zu 12 km/h. Einzelzinken sind für Reihenkulturen auch einzeln deaktivierbar. Einziges Problem beim Striegel ist nach Aussage von Steul bisher, dass die Zinken leicht brechen. Dies soll aber bei neuen Zinken (sie wurden bisher kostenfrei nachgeliefert) nicht mehr vorkommen.

Idealer Standort für den Ökolandbau 
Grundlage des Ackerbaus auf Hof Mahlitzsch ist der sehr fruchtbare Lösslehmboden, der in dieser Gegend bis zu 8 m mächtig ist. In Verbindung mit einer Durchschnittstemperatur von 8,1°C und 750 l/m2 Niederschlag im Jahr ist dies einer der fruchtbarsten Landstriche in Deutschland und geradezu ideal für die biologisch-dynamische Ausrichtung des Betriebs. An den Ackerfrüchten ist äußerlich nicht zu erkennen, dass sie ohne die sonst allgemein üblichen Dünge- und Pflanzenschutzmittel erzeugt wurden. Um die Bodengüte zu erhalten, wird besonderer Wert auf eine ausgewogene Fruchtfolge und eine bodenschonende mechanische Bodenbearbeitung gelegt. Ein Faktor, an dem man die Lebendigkeit des Bodens ablesen kann, ist der Humusgehalt. Um den Humusgehalt von bodenarttypischen 1,5 bis 2,5% zu erhalten, werden gezielt Maßnahmen ergriffen: Erosionsschutz wird großgeschrieben, Mist, Kompost und Gülle werden ausgebracht sowie nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes zugelassene oder vorgeschriebene biologisch-dynamische Präparate eingesetzt. „So wird der Humusgehalt konstant gehalten und wir produzieren gleichzeitig zufriedenstellende Erträge“, verdeutlicht Philipp Steul die Grundzüge der Wirtschaftsweise.

Zehngliedrige Fruchtfolge
Und so sieht die Fruchtfolge auf den durchschnittlich 12ha großen Schlägen aus: Nach einem Jahr Rotklee kommen auf der einen Hälfte Kartoffeln/Möhren und auf der anderen Winterweizen. Zu den Kartoffeln/Möhren werden 40 t verrotteter/ kompostierter Stallmist gegeben. Im dritten Jahr wird der Anbau auf diesen zwei Hälften getauscht. Im vierten Jahr wird Roggen und im fünften Jahr Luzerne mit Gras gemischt angebaut. Dieses Gemisch wird auch im sechsten Jahr genutzt, bevor dann nacheinander Weizen, Wintergerste, Triticale im Gemenge mit Wintererbsen und im zehnten Jahr wieder Weizen angebaut werden. Nach einer Kompostdüngung von 20t/ha beginnt die Fruchtfolge mit dem Anbau von Rotklee von Neuem. Als Zwischenfrüchte werden Senf, Ölrettich, Gras und Phazelie eingesetzt, um den Bodenstickstoff zu binden und der Erosion vorzubeugen.
Nicht in diese Fruchtfolge integriert sind die gut 8,5 ha Gemüsefreilandfelder, auf denen über 25 verschiedene Kulturen angebaut werden. Ergänzt wird die Freifläche durch fast 1 000 m2 Folienhausfläche. Neben den klassischen Kulturen wie Salaten in allen Variationen bis hin zum Rucola gehören neben Wurzel- und Fruchtgemüse auch Kräuter vom Schnittlauch bis zur Petersilie zur Anbaupalette. In den Folienhäusern stehen nach Salat und Kohlrabi Tomaten, Gurken und Paprika. Sind diese abgeerntet, folgen Feldsalat und Postulein. Die Gemüsefelder befinden sich direkt neben Windkraftanlagen in exponierter Lage; der stetige Wind hält die Pilzkrankheiten in Grenzen. Mit Nützlingen, weiten Fruchtfolgen und Kulturschutznetzen wird gegen die tierischen Schädlinge angegangen. Das Gemüse wird in der Regel täglich frisch geerntet, noch auf dem Feld gereinigt und in Kisten verpackt.

Ein moderner Betrieb mit Geschichte
„Besuchen Sie uns! Wir zeigen Ihnen, wie Biobetriebe arbeiten!“ – so wirbt Hof Mahlitzsch als Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau für sich und seine Produkte. „Hier gibt es Informationen aus erster Hand für Praktiker, Experten und Verbraucher.“ Was einem gezeigt wird, ist ein vielseitiger Gemischtbetrieb mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von inzwischen 225 ha (davon 127 ha Acker- und 7 ha Gemüseanbaufläche, 98 ha Dauergrünland und 49 ha Wald), mit 80 Milchkühen zuzüglich eigener Nachzucht und mit Schweinen und Schafen für den „Hausgebrauch“ im Herzen des Freistaates Sachsen. „Unsere betriebliche Vielfalt ist Geld wert“, erläutert hierzu Philipp Steul. Dem erhöhten Aufwand bei Produktion und Organisation in einem Gemischtbetrieb wie Hof Mahlitzsch steht nach seiner Erfahrung ein verringertes Risiko gegenüber. Weite Fruchtfolgen, Direktvermarktung und Veredelung sorgen dafür, dass Wetterkapriolen und Preisschwankungen nur teilweise auf das Betriebsergebnis durchschlagen oder durch Mehrgewinn in anderen Bereichen kompensiert werden. Die Vielfalt der Landwirtschaft muss nach

"Unsere betriebliche Vielfalt ist Geld wert. Sie muss aber auch der Gesellschaft etwas wert sein. Eine sozial und ökologisch orientierte Landwirtschaft ist nicht zum Nulltarif zu haben."

Philipp Steul, Nossen

Ansicht des Betriebsleiters etwas wert sein: „Eine sozial und ökologisch orientierte Landwirtschaft ist nicht zum Nulltarif zu haben“, unterstreicht er. Geführt und bewirtschaftet wird der Betrieb gemeinschaftlich von drei Familien. Sie sind gemeinsam mit Krafft von Heynitz, dem Nachfahren der ursprünglichen Besitzer, Gesellschafter der GbR. Christian und Elke Schwab, Nikola und Christine Burgeff sowie Philipp und Karin Steul haben sich 1993 zusammengefunden, um an diesem Ort eine lange Tradition der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wiederaufleben zu lassen. Unweit des Biohofs steht das Schloss Heynitz, einer der Kristallisationspunkte der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Schon nach Ende des Ersten Weltkriegs waren die damaligen Schlossherren Eleonore und Benno von Heynitz in Kontakt zu Rudolf Steiner und seiner anthroposophischen Lehre gekommen. Die Anthroposophie war die Grundlage für weitreichende Veränderungen etwa in der Pädagogik (Waldorfschule), in der Medizin, in der Religion und auch in der Landwirtschaft. Zu Pfingsten 1924 hielt Rudolf Steiner im schlesischen Koberwitz acht Vorträge über„Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“. Benno von Heynitz stellte in den 1930er Jahren nicht nur die eigenen Ländereien auf die neue Wirtschaftsweise um, sondern war auch ein Wegbereiter der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Sachsen, er war ein Mitbegründer der Demeter-Bewegung.
1945 musste die Familie ihren Betrieb infolge der Bodenreform verlassen. Krafft von Heynitz, ein Sohn von Eleonore und Benno von Heynitz, machte sich später einen Namen als Berater für biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise in Baden-Württemberg. 1960 übernahm er die Geschäftsführung des Demeter-Verbands in Baden-Württemberg. Krafft von Heynitz ist heute 88 Jahre alt und seit 2004 wieder Mitbesitzer des alten Familienstammsitzes Schloss Heynitz. 1992 konnte er einen Teil seiner Ländereien zurückpachten und später zurückkaufen, die heute die Grundlage für die Betriebsgemeinschaft Hof Mahlitzsch bilden. Insofern steht der heutige Betrieb in der direkten Tradition des Mitbegründers der biologisch-dynamischen Wirtschaftslehre.
Zum Betrieb gehören auch eine eigene Bäckerei sowie Molkerei. Das erzeugte Getreide wird in einer nahe gelegenen Biomühle gemahlen und kommt dann zum Betrieb zurück. Hier wird das Mehl entweder über den Hofladen, Bioläden oder die„Ökokiste“ verkauft oder in traditioneller Handwerkskunst zu verschiedensten Brotsorten gebacken. In der Molkerei werden die gesamte Milch der 80 Kühe sowie Zukaufmilch zu Vollmilch und Naturjoghurt verarbeitet.
700 000 bis 800 000 € Umsatz erwirtschaftet die Demeter-Betriebsgemeinschaft jährlich und sie soll weiter wachsen, so Gesellschafter Steul. „Es gibt Bereiche mit enormer Nachfrage. Gemüse, Milch und Backwaren sind richtige ‚Renner‘. Wir richten unsere Produktion so aus, dass wir diese Nachfrage möglichst gut bedienen können. Dafür ist der Kontakt zu unseren Kunden wichtig, als deren Partner wir uns verstehen.“
Geplant sind auf dem Betrieb eine Kühlhalle, die Erweiterung der Molkerei mit Quark- und Käseproduktion und auch eine weitere Flächenausdehnung. Aber hier stößt Hof Mahlitzsch an seine Grenzen. „Die Biogasbetriebe in der Nähe benötigen viel Fläche und die Preise steigen weiter“, befürchtet Steul und erwaret auch für ihn nicht mehr bezahlbare Pachtpreise.

FAZIT: Die mechanische Unkrautbekämpfung hat im Ökolandbau einen festen Stellenwert. Sie wird in den Gemischtbetrieben der Demeter-Organisation nicht isoliert gehandhabt, sondern als vernetzter Teil des Gesamtbetriebskonzeptes einschließlich Viehhaltung verstanden und praktiziert. Moderne Maschinenlösungen ermöglichen es den Betrieben, am technischen Fortschritt teilzuhaben und produktionstechnisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

 

Autor: 
Joachim Abel,
freier Redakteur und Journalist (DJV)
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